Text und Fotos von Lena Silberzahn
Lachen, entecken, grillen, fragen, Kanufahren, ins Theater gehen, an Curry und Tee schnuppern...Wir, die 3°10, waren eine Woche in Hamburg -der Bericht
Freitag, den 8. Mai 09
Es ist gerade einmal 6 Uhr morgens, das Aufstehen ist mühsam. Erstmal schön kalt duschen um überhaupt wach zu werden; dann wird der Koffer gepackt. Um 7 geht es zum Flughafen, wo wir uns alle mit Ringen unter den Augen treffen. Nach endlosem Einschecken und Duty-free- Parfumshops steigen wir ins Flugzeug; die Aufregung (vielleicht auch die pikante Duftmischung der ausprobierten Parfums) hält uns wach und es wird viel beredet: Wie die Familien wohl sind? Sind die Austauschschüler immer noch so nett? Und ihre Freunde? Was wird dann mit wem unternommen? Wie ist überhaupt Hamburg? Alles Fragen, worauf keiner eine Antwort weiß ; die Spannung steigt.
Ankunft am Gymnasium Ohmoor; erster Unterschied: Ein offenes Gelände, zweiter ist ein Schild oben auf der Tür: Make Abi, not war... ja ich muss schon sagen, wir werden neugierig! Doch echtes Erstaunen kommt erst auf, als wir im Schulhof Ziegen sehen! Waschechte Ziegen, auf die sich gleich alle stürzen, um sie anzusehen oder zu streicheln. Doch das nicht lange, denn da sind die Hamburger auch schon da und die Ziegen werden zweitrangig: Freude, Umarmungen und Fragen.

Wir werden äußerst freundlich mit Begrüßungsrede des Rektors und Franzen (Gebäckspezialität) empfangen. Dann führen uns unsere „Corres“ durch das Gelände und ich traue meinen Augen nicht : hier gibt es doch tatsächlich ein KINO, einen Sportplatz mit echter Wiese, eine Sporthalle, ein KLETTERGERÜST; das alles auf einem großen Gelände mit Bäumen. Tja, da fragt man sich, warum man eigentlich in Paris wohnt.
Und zum meinem Erstaunen muss ich feststellen, dass "zu Hause" ein warmes Essen auf dem Tisch steht, obwohl es gerade mal 4 ist...Aus Höflichkeit esse ich auch alles, aber ich muss schon sagen: Nach den ganzen Franzen, Brötchen und Tomaten ist mir eigentlich nicht so danach zumute. Keine Zeit zum Ausruhen: Um 6 geht’s zum Mittelstufenball und wir Franzosen stehen ein bisschen dumm da: Wir kennen Paartänze überhaupt nicht, im Gegensatz zu den Hamburgern,

die fleißig bis 10 Uhr Walzer, Tscha tscha tscha (oder wie man das auch schreibt) oder Salza tanzen und am Ende eine Ballkönigin+ König aussuchen.
Samstag, der 9 mai 09
Heute ist der Hafengeburtstag (der jedes Jahr eine Million Besucher anlockt) auf dem Programm. Und die Million kann man spüren: Ganz schönes Gedrängel gibt es hier, und zu ungefähr 20 fällt es uns ziemlich schwer, keinen zu verlieren. Doch irgendwie schaffen wir es trotzdem, Riesenrad zu fahren, Currywurst zu essen und uns die ganzen Lebkuchenstände anzuschauen. Wir finden sogar ein Stück Wiese um uns auszuruhen, wo wir dann einfach nur die Sommerstimmung genießen.
Dann beschließen wir, zur Strandperle zu fahren: „Die coolste Bar von Hamburg“ und steigen bei der U -Bahn bei Blankenese aus, um weiter an der Elbe entlang zu gehen. Doch wir gehen, gehen und gehen... und niemand scheint wirklich zu wissen, wo nun diese tolle Bar liegt. Aber gut, das Wetter ist wunderbar, man kann mit den Füßen das kühle Wasser der Elbe spüren und keiner hat Lust zu murren und dabei die Ferienstimmung zu zerstören: Alle bleiben munter, wenn auch immer langsamer. Als manche schon denken, wir laufen in die falsche Richtung, taucht (nach sieben Kilometern) die Strandperle auf. Es wird langsam Abend, das Wasser rauscht, die Kerzen leuchten und die Stimmen werden dumpfer. Ich genieße es und atme die frische Abendluft richtig tief ein, während meine Füße in dem feuchten Sand Spuren hinterlassen. Doch bald wird schon wieder gekreischt und das gemütliche Gehen wird zum „Plantschwettrennen“, das von hysterischen Lachanfällen begleitet wird. Alle hier sind vergnügt. Manche gehen noch zum Feuerwerk - anscheinend waren ihnen die heutigen 14 km Fußmarsch nicht genug.
Sonntag, der 10. Mai
Heute geht’s gemütlich zu: Wir stehen um 11 auf und beschließen, Tretboot zu fahren, doch es stellt sich heraus, dass das zu zwanzigst unmöglich ist: So viele Tretbote gibt es überhaupt nicht; im Gegensatz zu den Kanus, und so befinden wir uns eine halbe Stunde später in sechser Gruppen in schwankenden, etwas nassen Kanus, die wir mit bloßer Armkraft bewegen: ganz schön sportlich! Doch die Sonne ist mal wieder da und wir kriegen einen extra Gesangsauftritt von unseren liebenswürdigen Schulkamaraden Xavier und Anthea, in den wir schnell mit einstimmen. Außerdem gibt es köstlichen Apfelkuchen mit Sahne weil es auf der Fleetenseite der Elbe Cafés gibt: So kriegt man seine Leckereien vom Fenster aus serviert, während man stinkfaul im Boot sitzt....
Mit etwas müden Armen geht es dann zum „Stadtpark“: Eine riesengroße Wiese, umkreist von Bäumen, wo wir grillen. Hier ist es einfach nur entspannend (für mich zumindest, da ich fett auf der Wiese liege und mir ein Würstchen nach dem anderen in den Mund schiebe... Die Jungs sind da etwas aktiver und spielen Fußball!) Ich glaub, dieses „einfach mal nichts machen, ohne Programm“ gefällt uns auch allen.


Montag, der 11. Mai
Der Schulrhytmus ist wieder da: Um halb sieben klingelt der Wecker und es geht zur Schule durch den Park. Wir fangen mit einer Sitzung im Französischraum an und alle sind von der Deko beeindruckt: Der Saal ist ganz blau-, weiß- und rotgestreift, mit Noten und Text der Marseillaise und Bistrotszenen mit Baguette und Croissants angemalt, tolle künstlerische Leistung!
Wir fahren mit der U-Bahn zum Jungfernstieg und dann machen wir eine 2 ½ stündige Führung durch Hamburg. Der Reiseleiter ist ganz angenehm und wir kriegen auch einen ganz guten Durchblick: Rathaus, Innenhof, Arkaden, Eppendorf, Schanze, rote Flora. Allerdings sind wir extra mit der Bahn nach Eppendorf gefahren um dort 10 m entfernt von der Station 3 Sätze zu hören. Das, finde ich, lohnt sich einfach nicht.
Nach der Pause sitzen wir alle im Hamburghaus, der Bezirksbürgermeister kommt herein, es wird auf einmal ziemlich still, er redet 5 Minuten lang und da müssen wir schon selbst die Fragen stellen. Doch siehe da, keiner (wir sind 60) hebt die Hand - wie peinlich. Doch zum Glück meldet sich endlich einer und so geht es immer weiter: Noch einige andere Mutige retten so noch knapp die Situation. Also so habe ich es auf jeden Fall empfunden... Aber es war ganz interessant: Er fand Umwelt sehr wichtig und war überzeugt davon, das Hamburg die schönste Stadt der Welt ist.

Dienstag, der12. Mai
Heute geht es zum Hafenmuseum durch den alten Elbtunnel. Das Hafenmuseum ist schon schön, es gibt viel Material und das Gelände ist groß, die Führer aber vielleicht etwas... unerfahren. Trotzdem steigen wir auf Traktoren, in Container und schnuppern an Kaffee und Cury.

Wir machen eine ordentliche Pause an den Margelan Terrassen: Das Speicherstadtmuseum Nach einer schönen Pause beginnen wir die Führung durch die Speicherstadt und ihr Museum. Hier sehen wir genau das Gegenteil von heute Morgen: Eigentlich ziemlich wenige Ausstellungsstücke, aber sehr interessante und gründliche Erklärungen über Kontrolle der Ware, unterschiedliche Teesorten, frühere Methoden...usw. Außerdem gibt es auch einen schönen Teeladen (der sehr gut nach allen möglichen Tees riecht) und ich muss sagen, ich war ziemlich beeindruckt: Es gab Teebeutel in Blumenform, die im Wasser aufgehen!
Nach einem weiteren deftigen Essen um 5 gehen wir zum Theater und schauen uns „Luis und Luisa “ mit der Klasse an. Anfangs bin ich sehr beeindruckt, vor allem von der Arbeit mit Bildschirmen und Technik . Doch das Ende ist leider einfach zu lang, grob und chaotisch.
Mittwoch, der 13. Mai
Heute fahren wir zur Kunsthalle. Sie besteht aus 3 unterschiedlichen Gebäuden und ist RIESIG: Man könnte sich nie alles in einem Mal angucken... Deswegen gucken wir uns auch nur ein paar ganz gezielte Bilder an (hauptsächlich Expressionismus), die von der Führerin ausgesucht wurden. Sie ist sehr gut und anspruchsvoll und bringt uns auch selbst zum Nachdenken indem sie Fragen stellt. Sie gibt interessante Interpretationen und hat einen sehr guten Wortschatz... so müsste man reden können. Wir haben 10 Minuten Freizeit und mit ein paar anderen Schülern beschließen wir, „mal schnell“ in die Galerie der Gegenwart einen Blick zu werfen. Doch diese ist recht weit entfernt und zu unserem Bedauern bleibt uns dann nur sehr wenig Zeit für die moderne Ausstellung ; mehr Freizeit in der Halle wäre äußerst willkommen gewesen. Jetzt geht es zum Planten und Blomen Garten um dort zu picknicken. Dieser ist wirklich nett und vor allem sehr gepflegt.

Hamburgmuseum Mit vollem Bauch gehen wir ins Hamburgmuseum. Die Führung ist als Gruppenquizz gestaltet, eine nette Abwechslung. Ehrgeizig rennen wir überall herum um die Antworten zu finden. Und siehe da: Wir brechen den Rekord für französische Klassen! Irgendwie bin ich stolz auf uns, auch wenn viele zweisprachig sind und somit nicht rein französisch sind... Am Nachmittag fahren wir noch in die Innenstadt und gehen nach sieben H&M Shops auf den Jungfernstieg. Hier ist es sehr windig, es wird langsam dunkel und Lichter leuchten auf den Schiffen, die gerade am Steg anlegen. Unsere Füße hängen knapp über dem Wasser (obwohl die langen Beine von Philippe bestimmt schon ins Wasser tunken...) und die kühle Brise weht uns um den Kopf. Dieser Austausch ist einfach besonders schön.
Donnerstag, der 14. Mai
Letzter Tag: Heute bleiben wir in der Schule und schauen uns die Präsentation der Austauschschüler an. Sie stellen ihre Woche unterschiedlichen Unternehmen vor. Ich finde es total gut von der Schule, eine solche Entdeckungswoche zu organisieren. Es ist 10 und wir fahren für unseren letzten Rundgang in die Stadt . Und UNGLAUBLICHERWEISE treffen wir an der Station unsere ehemalige Lehrerin Frau Kunze!!!!! Ist die Welt nicht klein? Sie führt uns durch die ehemaligen Judenviertel, zeigt uns die Stolpersteine, ein jüdisches Gymnasium und Anderes, was der Reiseführer von Montag nicht gezeigt hatte. Ich bin sehr interessiert daran, auch wenn es etwas hart ist, wieder an die jüdischen Opfer erinnert zu werden. Anschließend geht’s zum Alsterpark um zu picknicken, aber leider weht ein eisiger Wind und Wolken ziehen auf und richtig genießen kann man da nichts, aber gut, Sonne und Rauschen der Alster sind da, um unsere gute Laune wiederherzustellen. Und dann kriegen wir tatsächlivh ein Eis spendiert, und zwar von unserer Lehrerin, Frau Lehre... An der Station der Schule warten schon unsere Partner um mit uns noch in die Stadt zu fahren: und ab geht’s nach Schanze! Und hier wird um die Wette geshoppt und Döner+ türkische Pizza gegessen.
Freitag, der 15. Mai
Heute bleiben wir in der Schule weil wir schon um 10 los müssen. Es ist 8 und die ganze Klasse trauert schon. Wir testen ein Computerprogramm, das unsere Interessen identifiziert um eine geeignete Arbeit zu finden- meiner Meinung nach ist das nicht nötig, vor allem, weil wir zwei mal wieder von vorn anfangen müssen...aber gut, was soll man schon in 2 Stunden machen? Und dann ist es auf einmal soweit: Alle umarmen sich, wir steigen mit schwerem Herzen in den Bus ein und die Hamburger winken wie verrückt... Und schon sind wir weg... und reden im Bus darüber, wann wir gemeinsam wieder nach Hamburg fahren könnten.
| Tja, die Woche verging wie im Flug...und ich glaube, alle wären gerne noch länger geblieben, sei es nur, um sich die Stadt gründlicher anzuschauen... Aber schon diese eine Woche war einfach wahnsinnig toll und reich an Erlebnissen, stimmungsvollen Abenden mit neuen Freunden, Lachanfällen, Kultur und Erstaunen. Danke für diese Spitzenreise an Frau und Herrn Lehre und Frau Ebeling (und an alle anderen, die sie organisiert haben...) die wir so einmal in einer ganz anderen Atmosphäre erlebt haben. |
Dernière modification le 08-11-10 par