von Sabine Ide-Mallon
Als Deutsche in Frankreich lebend war mir immer klar : Meine Kinder sollen später einmal perfekt Deutsch sprechen, lesen und schreiben können. Dass dieses Ziel nur erreicht werden kann, wenn ich konsequent mit meinen Kindern Deutsch spreche sowie Deutschlandsaufenthalte einplane und sie auf eine Schule schicke, die für Muttersprachler Deutsch anbietet, leuchtete mir sofort ein. Denn der Papa spricht nur französisch und das Umfeld der Kinder ist auch französischsprachig.
Ohne viele Fachbücher über zweisprachige Erziehung gelesen und Fragen wie „Kommen die Kinder beim Sprechenlernen mit den zwei Sprachen nicht durcheinander ?“ gestellt zu haben, habe ich seit der Geburt meiner Kinder nur Deutsch mit ihnen gesprochen : auf der Straβe, im Supermarkt und auf dem Spielplatz.
Aus diesem natürlichen Bedürfnis heraus, mit ihnen meine Muttersprache zu sprechen, hörten sie also in ihren ersten Lebensjahren nur Deutsch. Ich verbrachte die meiste Zeit mit ihnen und somit war Deutsch ihre erste Sprache und die ersten Wörter „grau“ für Flugzeug und „Krach“.
Als ich für ein Wochenende ohne Kinder nach Deutschland zu einer Familienfeier fuhr und mein Mann alleine mit den Kindern blieb, waren Laslo 3 und Chiara knapp 2 Jahre alt. Mein Mann hatte anfangs Sorge, mit ihnen allein zu bleiben, da er Chiara nicht verstand. Laslo ging damals schon in den französischen Kindergarten und konnte gut übersetzen. Ich wusste, dass es keine Verständigungsprobleme geben würde.
Mit zunehmenden Kindergartenalter wurden beide Sprachen immer gleichberechtigter von den Kindern gesprochen. Ganz selbstverständlich wechselten sie zwischen Deutsch und Französisch. Wenn meine Mutter aus Berlin anrief, sprachen sie sofort Deutsch mit ihr und umgekehrt war es mit meiner französischen Schwiegermutter. Ich merkte, wie wichtig es war, dass ich ausschließlich Deutsch mit den Kindern sprach, wir viele deutsche Bücher lasen und deutsche Musik hörten.
Mittwochvormittags brachte ich Laslo und Chiara in den deutschen Kindergarten nach Sèvres, wo sie mit anderen deutschsprachigen Kindern spielen konnten und sehr bald feststellten, dass sie nicht die einzigen zweisprachigen Kinder aus Paris waren. Freundschaften entstanden, die heute noch bestehen.
Natürlich fragte Laslo einmal morgens im Auto auf dem Weg nach Sèvres, was denn sein französischer Freund am Mittwochvormittag mache, während er in der deutschen Schule sei. Dass Matthieu vielleicht einen Sportkurs besucht oder eine andere außerschulische Aktivität wahrnimmt, beruhigte Laslo, denn das frühe Aufstehen fiel ihm manchmal etwas schwer.
Um den Kindern die Möglichkeit zu bieten, Deutsch sprechen und später lesen und schreiben zu lernen, braucht man als Elternteil viel Energie, Zeit und die Bereitschaft, kontinuierlich das Deutsche in das alltägliche französische Leben mit einzubauen. Man muss einen festen Platz für das Deutsche schaffen, damit es einfach ganz natürlich dazu gehört. Auch die französische Familie muss akzeptieren, dass sie nicht immer alles versteht.
Ab dem Grundschulalter spielten Laslo und Chiara plötzlich nicht mehr so viel auf Deutsch, sondern mehr auf Französisch. Manchmal hörte ich auch einen Mix aus beiden Sprachen wie „Chiara, tu veux spielen avec der Brio-Bahn ?“ oder „Laslo, ich cache mich hier.“ Mich beunruhigte dies wenig, da ich wusste, dass sie beide problemlos Deutsch sprechen konnten.
Nun wurde aber die Frage nach einer passenden Grundschule, um auch das Lesen sowie das Schreiben auf Deutsch zu lernen, immer wichtiger. Da die Sections Internationales de Sèvres (Gambetta B-Grundschule) zwar nicht gleich um die Ecke von uns sind, aber wir den Weg ja schon kannten, entschlossen wir uns, beide Kinder dort einzuschulen. Der Vorteil ist, dass der Deutschunterricht nicht zusätzlich am Mittwoch stattfindet (was natürlich auch möglich gewesen wäre), sondern in der regulären Schulzeit. Die Kinder haben zweimal wöchentlich drei Stunden Deutsch und somit keinen Unterricht am Mittwoch. Dieses zweisprachige Programm der Gambetta B-Grundschule entspricht also vollkommen meinen Kindern. Laslo kommt nun in die vierte und Chiara in die dritte Klasse, -eine große Etappe haben wir erst einmal geschafft.
Sie erklärten in den letzten Ferien stolz meiner Mutter : „Wenn wir durch die Tür in die deutsche Klasse gehen, sprechen wir nur Deutsch, auch mitten im Satz : „ Je voudrais te sagen, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe.“

Dernière modification le 24-10-10 par